seed baufeld 44 | frankfurt am main
Errichtung eines Bürogebäudes sowie einer Tiefgarage mit 288 Stellplätzen
Die Aufgabenstellung umfasst die Vorplanung der Freianlagen für das Grundstück Baufeld 44 auf dem ein 6- bis 7-geschossiges Bürogebäude in Nachbarschaft zur Messe Frankfurt errichtet werden soll. Hierbei ist besonderes Augenmerk auf die städtebauliche Einfügung, die Ausarbeitung der topographischen Geländeentwicklung und die gestalterische Qualität unter Berücksichtigung der Kriterien zur Nachhaltigkeit und Klimaresilienz zu legen.
Der Entwurf zielt mit seiner ausdrucksstarken Formensprache auf eine Verzahnung mit dem angrenzenden städtebaulichen Umfeld. Der Freiraum mit seinem großzügigen grünen Vorfeld auf der Westseite unterbricht die Wirkung des 114 m langen Gebäudekörpers und setzt ihn in eine angemessene Maßstäblichkeit und Proportion. Zusammen mit den Innenhöfen und Dachflächen ergibt sich ein differenziert gestaltetes Ganzes, das die unterschiedlichen Funktionsansprüche aus der Gebäudenutzung und dem Umfeld geschickt aufnimmt und in die Gestaltung integriert.
Durch die Verwendung der Schollenstruktur gelingt es, die zum Teil schwierige topographische Situation (bedingt durch die Höhenlage der Tiefgarage bzw. des EG) als selbstverständliches Element im Freiraum zu etablieren und gleichzeitig mit unterschiedlichen Nutzungen und Funktionen zu belegen.
In Verbindung mit der halböffentlichen Gastro- und Aufenthaltsterrasse im Norden kommt dem Umgang mit dem Freiraum im Westen eine besondere Bedeutung zu. Durch die dem Gebäude vorgelagerten, verspringenden Pflanzflächen entsteht ein großzügiger Bewegungsraum, in dem das Nebeneinander von Fußgänger:innen, Radverkehr und gelegentlichem Andienungsverkehr ermöglicht wird.
Die Bestandsbäume werden an andere Standorte innerhalb der Anlage umgepflanzt und bleiben als Schattenspender erhalten. Der Haupteingang wird angemessen betont und die Öffnung im Freiraum ablesbar gemacht. Grünelemente springen nach innen und gliedern Erschließungs- und Aufenthaltsflächen. Die teilweise Überbauung der Fläche ermöglicht geschützte Fahrradabstellplätze und den vor Witterung geschützten Aufenthalt und Treffpunkt im Freien.
Die beiden jeweils ca. knapp 600 m² großen Innenhöfe öffnen sich nach Osten zum Messegelände und werden als Klimahöfe angelegt. Wasserspeicherung und -verdunstung wirken temperatursenkend und verbessern das Mikroklima. Zusammenhängende, geneigte Hochbeete lassen durch Öffnungen und Verwinkelungen kleinere, geschützte Sitzbereiche entstehen.
Durch die Höhenlage zum angrenzenden Straßenraum wird die nicht überbaubare Grundstücksfläche zur hervorgehobenen, halböffentlichen Aufenthaltsterrasse.
Die Dachflächen werden als Energie-, Klima- oder Biodiversitätsdach entwickelt. Im 5. OG entsteht ein Klimadach mit intensiv begrünten Flächen. Die Dachflächen auf dem 6. OG erhalten eine artenreiche Kräuter- und Gräserbepflanzung mit Nährpflanzen für Schmetterlinge, Bienen u.a. Auf dem 7. OG ist eine extensive Dachbegrünung vorgesehen, die mit geneigt ausgerichteten Photovoltaikelementen überstellt wird. Spezielle Retentionssysteme für Regenwasser bieten die Möglichkeit einer zeitverzögerten Wasserrückhaltung.
Nachhaltigkeit und Klimaresilienz
Für das Gebäude wird ein angepasstes Energie-Klima-Wasserkonzept vorgeschlagen, welches neben dem Trinkwasser aus der städtischen Versorgung auch Regenwasser als wertvolle Ressource betrachtet. Die begrünten Höfe in Verbindung mit einer wasserspeichernden Retentionsschicht sorgen für ein angenehmes Mikroklima und senken die Temperatur in heißen Sommermonaten. Zusammen mit den großkronigen Laubbäumen und zusammenhängenden Pflanzflächen entsteht ein effektiver Temperatursenkungseffekt und die Bindung von CO2.
Anfallendes Oberflächenwasser versickert in den Grünflächen oder Baumstandorten bzw. wird gezielt zugeführt. Dachflächenwasser der extensiv begrünten Dachflächen wird in Retentionsschichten zeitverzögert zurückgehalten, um Starkregenereignisse abzufedern und später als Überschusswasser in den begrünten Innenhöfen im Aufbau speichern zu können, wo es über Kapillarwirkung pflanzenwirksam zur Verfügung steht.
projektdaten
auftraggeber: strabag real estate invest gmbh, köln, ed. züblin ag, frankfurt a.m. (ab lph 5)
architekt: mhm ziviltechniker gmbh, wien
planungszeit: 2022 – 2026
bauzeit: ab 2027
bearbeitungsfläche: 9.905 qm
gesamtkosten: ca. 2,19 mio. euro
unsere leistungen: lph 1 – 5, lph 5 – 6